KAB-Bezirkstag 2012

„Nachhaltig wirken – für eine Solidarische Gesellschaft“
DGB Vorsitzender Stefan Körzell: Lohndumping muss ein Ende haben

Neben den Neuwahlen des Bezirksvorstandes, bei denen Egon Schütz als Bezirksvorsit­zender der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Rhön/Vogelsberg wiederge­wählt wurde, stand ein Referat des Vorsitzenden Hessen-Thüringen, Stefan Körzell im Mittelpunkt der Veranstaltung. Mit Blick auf die drohende Altersarmut forderte er vehe­ment das Ende des derzeitigen „Lohndumpings“ und die Beschränkung von Leiharbeit.

In seinem Referat ging Körzell auf den KAB Leitantrag „Nachhaltig wirken – für eine soli­darische Ge­sellschaft ein“ und stellte viele Übereinstimmungen mit den Vor­stellungen des DGB fest. „An Forderungen, die von KAB und DGB gleichermaßen gestellt wer­den“ so Körzell, „können Politiker, gerade im Hinblick auf die kom­mende Bundestagswahl, nicht ignorieren“ und hofft so, dass es in dem ein oder anderen Bereich „Korrekturen ei­ner verfehlten Po­litik“ geben wird.

Als unzureichendes Stückwerk bezeichnete er die gerade in Berlin verhandelten Maß­nahmen im Rentenrecht. „Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass Menschen, die nach 40 Versicherungsjahren nicht mehr als die Grundrente erreichen, sich zusätzlich eine private Alterssicherung leisten können“ kritisiert er die sogenannte Lebensleistungsrente. In der Umsetzung seien hier noch viele Fragen offen, um deren Lösung noch gerungen werden muss. „Es wäre sinnvoller gewesen, die Beitragsbemessungsgrenze deutlich anzuheben um einen wirksamen Schritt gegen zukünftige Altersarmut zu gehen“ merkte er an.

In diesem Zusammenhang kritisierte er nicht nur die Niedriglöhne sondern auch die aus­ufernde Leiharbeit. Letztere müsse wieder zur Ausnahme werden. Erschreckend sei auch, dass vereinbarte Mindestlöhne im Bereich der Leiharbeit zunehmend durch aus­beuterische Werkverträge ausgehebelt würden.

Bezugnehmend auf das deutliche Auseinandertriften zwischen Arm und Reich sprach er sich für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer und die Anhebung des Spitzensteu­ersatzes aus. „Wo liegt das Problem der Politiker, hier eine wichtige Stellschraube zu drehen?“ fragte der Gewerkschaftler und zeigte wenig Verständnis für die Zurückhaltung, zumal die Vermögenssteuer bis 1997 im Westteil der Bundesrepublik erhoben wurde. Durch die Abschaffung habe die öffentliche Hand auf einen zweistelligen Milliardenbetrag verzichtet. Unter anderem die Initiative „Vermögensteuer jetzt“, die auch von Vermö­gensmillionären unterstützt wird, müsste den Politikern deutlich zeigen, dass hier ein breiter Konsens erreicht werden könnte.

Als Absurd bezeichnete er die Diskussion um den Fachkräftemangel. „Während auf der einen Seite Fachkräfte aus dem Ausland angeworben werden, geht andererseits die Be­reitschaft vor allem großer Unternehmen zurück, junge Menschen auszubilden“ stellt er fest und fordert mehr „Investitionen“ in die jungen Menschen hier vor Ort.

Zuvor feierten die Delegierten des KAB Bezirkstags einen Gottesdienst mit Pfarrer Piotr Kownacki, der in seiner Predigt dazu aufforderte, die Liebe Gottes gegenüber den Men­schen weiterzugeben an Benachteiligte. „Mit Aufmerksamkeit und Verständnis können wir mindestens genauso helfen wie mit materiellen Mitteln“ so Kownacki.

Danach waren die Vertreter der osthessischen KAB Vereine durch ein Theaterstück der „Fuldaer Domspatzen“ zum Thema „Würde“ auf den inhaltlichen Teil des Bezirkstags eingestimmt worden.

Während dem Delegiertenteil der Tagung wählte der Bezirkstag einen neuen Bezirksvor­stand. Egon Schütz, Geisa, wurde als Bezirks­vorsitzender ebenso wiederge­wählt wie seine Stellvertreter Georg Dreifürst, Wächtersbach und Jürgen Markgraf, Eichen­zell. Vervollstän­digt wird der Vorstand durch Karola Baier, Margretenhaun und Bernhard Fechner, Frank­furt, die beide wiedergewählt wurden, neu hinzu kommt Maria Handwerk, Dipperz.

Im Tätigkeitsbericht des Vorstands forderte KAB Diözesansekretär Michael Schmitt die Anwesenden auf, trotz der Schwierigkeit eh­renamtliche Mitstreiter für die politische Arbeit zu finden, „wachsam die gesellschaftspoliti­sche Szene“ zu beobachten und im persönli­chen Engagement die Ziele der katholischen Sozi­allehre zu vertreten. „Die Katholische Sozial­lehre ist für uns ein perfektes `Hand­buch`, zum Gerechtigkeits­handeln“ so Schmitt.

Als „Beispiel für überzeugendes Handeln“ zeichnete Egon Schütz zusammen mit Jürgen Markgraf und Michael Schmitt Edgar Handwerk von der KAB Dipperz mit der Silbernen Verdienstnadel der KAB Diözesanverband Fulda aus. Diese Auszeichnung erhielt er für seine über 30 jährige Vorstandstätigkeit mit dem Schwerpunkt Mitgliederbetreuung. Au­ßerdem trug Handwerk in diesem Zeitraum bei offiziellen Anlässen das Banner des KAB Vereins. (Michael Schmitt)

 

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